Hallo! Dieser Text wurde anläßlich eines Vortrags zum Thema Amateurteleskope mit nachfolgendem Beobachtungsabend geschrieben. Er ist kein HTML-File, sondern "plain text", und sollte bei Verwendung der Zeichensätze ISO-8859-1 oder ISO-8859-15 lesbar sein. Die Hinweise zu beobachtbaren Objekten habe ich für die allgemeine Internetversion herausgenommen, aber informativ sind IMHO noch die Erläuterungen und technischen Hinweise, welche nachfolgend zu sehen sind. Sternkarten kann man am Computer erstellen oder kaufen, dann meistens als drehbare Version. Süden ist unten, Westen rechts, Osten links und Norden oben, also muß man die Karten bei der Beobachtung der Himmelsrichtungen entsprechend drehen. Die Planeten verändern ihre Positionen zu den Sternen, drehbare Karten enthalten sie deshalb nicht. Computererstellte Sternkarten gelten meist nur für bestimmte Zeitpunkte. M ist in der Astronomie oft die Abkürzung für Messierobjekt, also ein Objekt, das im Katalog des "Kometenjägers" Messier auftaucht. Dort sind viele Himmelsobjekte aufgelistet, die man wegen ihrer diffusen Erscheinung mit Kometen verwechseln könnte. M 31 ist also die 31ste Position in der Liste. Kometen sind "schutzige Schneebälle", die durch die Sonnenhitze verdampfen und deren Gas und Staub dann durch Fluoreszenz bzw. Reflexion aufleuchten. Ein kleiner Hinweis: Fluoreszenz ist die Absorption elektromagnetischer Strahlung, also z.B. UV-Licht, gefolgt von sofortiger Emission ebenfalls von elektromagnetischer Strahlung. Meistens wird kurzwellige Strahlung wie UV oder blaues Licht in längerwellige Strahlung, z.B. grünes oder rotes Licht umgewandelt. Der Vorgang hört nach Beendigung der Beleuchtung sofort wieder auf. Was die als "fluoreszierend" bezeichneten Puzzles machen, ist keine Fluoreszenz, sondern Phosphoreszenz, also das verspätete Aussenden von Strahlung nach vorheriger Aufnahme. h und chi Perseï haben seltsame Bezeichnungen. chi Persei geht noch, aber h Persei ist von der Bezeichnung her ein seltener Fall, da kleine Buchstaben in lateinischer Schrift wenig verwendet werden. In beiden Fällen handelt es sich aber um Namen für Sterne, womit Sternhaufen gelegentlich verwechselt wurden. NGC ist die Abkürzung für "New General Catalogue", dort stehen nicht nur gut einhundert, sondern viele Tausende von Objekten. Sterne sind üblicherweise Gasbälle, die in ihrem Zentrum Atomkerne fusionieren und dadurch Energie gewinnen. Die wenigen Ausnahmen brauchen uns an dieser Stelle nicht zu kümmern. In guten Teleskopen bleiben Sterne punktförmig bis fast zur Maximalvergrößerung, weshalb sie nur als Mehrfachsystem oder bei interessanten Farben als Beobachtungsobjekte taugen; in Spiegelteleskopen mit Fangspiegelstreben im Lichtweg kann man sie auch zur Demonstration der Beugung des Lichts verwenden, sofern sie hell genug sind. Sirius dient letzterem, Alamak, Spica und Arktur sind farblich reizvoll. Doppel- oder Mehrfachsterne sbestehen aus dicht beieinanderstehenden Sternen, von denen man früher annahm, daß sie zufällig so angeordnet wären. Heute weiß man, daß viele wirklich durch Schwerkraft aneinandergebunden sind und sich umkreisen. Oberflächentemperaturen beziehen sich bei Sternen auf den Teil ihrer Atmosphäre, der die Grenze zwischen lichtdurchlässigen und undurchlässigen Schichten bildet, die sogenannte Photosphäre. Kühle Sterne haben nur etwa 3000 Grad Celsius und leuchten rötlich, heiße dagegen einige 10000 °C und dadurch eine bläuliche Farbe. Planeten umkreisen Sterne auf mehr oder minder elliptischen Bahnen, wobei sie keine Kernfusion betreiben dürfen, da es sich sonst um ein Doppelsternsystem handeln würde (oder eine Mehrfachsternsystem). Die Erde ist z.B. ein Planet, der die Sonne umkreist und als solcher nur deren Licht reflektiert. Monde umkreisen Planeten und leuchten ebenfalls nur durch die Reflexion von Sonnenlicht. Außer unserem eigenen Mond kann man die vier hellsten Monde des Jupiters und den Saturnmond Titan recht gut beobachten. Nebel nennt man diffuse Fleckchen am Himmel, die ihren Ursprung außerhalb des Sonnensystems haben und keine Sternhaufen oder -assoziationen sind. Spiralnebel sind Galaxien aus Milliarden Sternen, die sich außerhalb unserer Milchjstraße befinden und wegen ihrer großen Entfernung nebelig erscheinen. Leicht kann man sich den Andromedanebel, den Dreiecksnebel M 33 sowie die beiden Messierobjekte M 81 und M 82 ansehen. Emissionsnebel bestehen aus Gas und Staub, von denen ersteres durch die UV-Strahlung extrem heißer Sterne zur Fluoreszenz angeregt wird, ähnlich Neonfarben in der Disco. Besonders leicht zu finden für Laien ist der Orionnebel M 42. Sternhaufen sind Ansammlungen von Sternen. Sind es bis zu einigen Hundert recht junge Sterne, nennt man das Objekt "offener Sternhaufen", bei bis zu einigen Hunderttausend alten Sterne spricht man von Kugelsternhaufen oder Kugelhaufen. Assoziationen sind Ansammlungen junger Sterne, die nicht durch die eigene Schwerkraft zusammengehalten werden und sehr locker wirken. Um M 42 herum findet man eine solche Assoziation, eine andere im Perseus. Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Die 9,46 Billionen km sind astronomisch eher nah. Luftunruhe entspricht dem Flimmern, das man im Sommer über einer heißen Straße sehen kann. Die Astronomen stört es bei höheren Vergrößewrungen leider immer. Öffnung ist nötig, um möglichst viel Licht einzufangen und dadurch auch lichtschwache Objekte sichtbar zu machen. Ein großer Durchmesser verringert aber auch störende optische Effekte und erlaubt somit höhere Vergrößerungen. Brennweite ist die zweite Kenngröße eines Objektivs. Wer mit einer Lupe mal ein Stück Papier angekokelt hat, weiß, wie groß dieser Wert bei der Lupe ist, nämlich der Abstand von Lupe und Papier. Bei einem Objekt im Unendlichen entsteht das Bild im Abstand einer Brennweite vom Objektiv entfernt. Große Brennweiten geben große Bilder und werden für angenehme Beobachtungen mit großer Vergrößerung gerne benutzt. Teleskope sammeln Licht und ermöglichen es, ein fernes Objekt größer aussehen zu lassen, als es mit bloßem Auge erscheint. Dazu braucht man ein Objektiv, welches mit einer langen Brennweite ausgestattet ist und ein mit einer Mattscheibe auffangbares Bild des fernen Objekts erzeugt. Das Bild wird aber nicht so aufgefangen, sondern mit einer als Okular bezeichneten Lupe betrachtet. Die Bezeichnungen Fernrohr und Teleskop sind synonym. Astronomische Teleskope drehen das Bild fast immer im 180 ° um, da sich die Lichtstrahlen einmal überkreuzen. Im Weltall gibt es aber kein "oben" oder "unten", also erspart man sich die ansonsten unnötigen Optiken zur Umkehrung des Bildes. Das eigentliche "Rohr" nennt man übrigens Tubus, dieser wird bei großen Spiegelteleskopen auch als Gitterrohrtubus ausgeführt und erinnert dann an die Konstruktion von Bühnentraversen oder Hochspannungsmasten. Reflektoren sind Spiegelteleskope, haben also einen - meist hohlen - Spiegel als Objektiv. Sie können größer gebaut werden, sind aber gegen Luftunruhe empfindlicher. Hinzu kommt das Problem, daß das reflektierte Licht in die Richtung des einfallenden geschickt wird und deshalb noch einmal abgelenkt werden muß. Das von mir benutzte Teleskop ist so ein Reflektor, genauer: ein Reflektor nach Newton mit 114 mm Öffnung und 900 mm Brennweite. Die Spiegel müssen gut justiert werden, um ein gutes Bild zu liefern. Refraktoren verwenden als Objektiv Linsen und sind wegen der nur an deren Rändern möglichen Fassung in der Größe limitiert, hinzu kommt der durch die Änderung der Brechkraft bei unterschiedlichen Farben bedingte Farbfehler, dessen größtenteilige Beseitigung viel Aufwand erfordert. Da Astronomen immer größere Öffnungen haben wollen, werden Refraktoren von den Profis nur noch selten neu angeschafft. Im Amateureinsatz haben Linsenfernrohre aber einige Vorteile, so z.B. ein kontrastreicheres Bild, eine geringere Justierhäufigkeit und eine kürzere oder gleich ganz unnötige Auskühlzeit. Katadioptrische Teleskope haben Spiegel und Linsen oder spezielle Glasplatten. Es gibt in dieser Bauweise sehr gute Instrumente, aber auch schlechte. Die letzteren haben die Linsen meistens unten im Okularauszug eingebaut. Die Justage mittels Laser soll die Bildqualität merklich verbessern. Okulare sind lupenähnlich und gestatten durch Austausch eine Änderung der Vergrößerung, sie sorgen auch dafür, daß die von einem Objektpunkt in das Teleskop einfallenden Lichtstrahlen ebenso parallel herauskommen, wie sie hineingelangt sind; das Auge stellt sich dann auf die entspannende Position des unendlich weit entfernt sichtbaren Bildes ein, statt auf die wenigen Zentimeter, die das vom Objektiv entworfene Bild wirklich vom Beobachter entfernt ist. Kleine Brennweiten ergeben große Vergrößerungen, werden aber schnell unkomfortabel. Große Brennweiten werden schnell teuer. Barlowlinsen verlängern die Teleskopbrennweite und gestatten höhere Ver- größerungen bei komfortablen Okularbrennweiten. Leider liegen den Einsteigerteleskopen meistens grottenschlechte Teile bei, die nur dazu dienen, die angegebenen Riesenvergrößerungen zu erreichen, ganz gleich, ob diese überhaupt sinnvoll sind. Merkregel: Sinnvolle Vergrößerung gleich doppelte Öffnung, wobei letztere in Millimetern angegeben werden muß. Bei Reflektoren ist eher vom 1,5fachen der Öffnung auszugehen. Einsteigerteleskope sind meist Refraktoren mit Öffnungen zweischen 50 und 70 mm oder Reflektoren mit Öffnungen zwischen 76 mm und 114 mm. Die auf den Verpackungen angegebenen Vergrößerungen sind oft unsinnig hoch, die Sucher meist zu klein für die Vergrößerung, die Montierungen zu wackelig. Als leichtes Zweitteleskop für schon etwas erfahrenere Sternfreunde sind einige dieser Instrumente besser geeignet denn als das erste Fernrohr eines Neulings. Man sollte beim Kauf darauf achten, daß der Okularauszug für die Verwendung von 1,25-Zoll-Okularen (31,8 mm Steckdurchmesser) ausgelegt ist, nicht nur für die nur selten erhältlichen und meist schlechten Okulare mit 24,5 mm Durchmesser. Ein wackeliger Okularauszug läßt sich mit Tesafilm entwackeln. Statt Tesa kann man auch andere glatte Klebebänder nehmen. Ach so, hier wird man meistens Längsstreifen einsetzen, damit man nicht über den Bereich des Klebebandes hinauskommt. Okulare umwickelt man besser in fast kompletten Kreisen. Montierung ist das Teil, welches ein Teleskop auf den Himmel ausgerichtet hält, aber Positionsveränderungen der Richtung leicht erlaubt. Es gibt azimutale Montierungen und die komfortableren parallaktischen, welche oft auch als äquatoriale Montierungen bezeichnet werden. Wenn eine azimutale Montierung wackelt, liegt das oft an zuviel Spiel im Bereich der Hochachse. Etwas Tesafilm um den Zapfen dieser Achse gewickelt, und das Problem ist zu einem großen Teil verschwunden. Man sollte das Klebeband möglichst nicht überlappen lassen. Schneckengetriebe mit zuviel Spiel lassen sich mit etwas technischem Verständnis selber justieren. Das üble Klebefett, mit dem Fernostgeräte oft geschmiert werden, um "luftige" Passungen (gleich zu große Toleranzen) auszugleichen, läßt sich meistens durch Vaseline ersetzen, die zusätzlich auch bei Kälte weniger steif ist. Stativ oder Säule ist das, worauf die Montierung sitzt. Oft sind die Füße eines leichten Stativs mit Gummistopfen ausgestattet, was zwar das Parkett im Wohnzimmer schont, das Bild im Teleskop aber wackeln läßt. Man ziehe diese Stopfen deshalb ab. Sowohl Stative als auch Montierungen haben Schrauben, die, wenn sie lose sind, für Wackelei sorgen. Man zieh sie fest. Klemmen dagegen die Beinauszüge beim Ausfahren, so hilft Teflonspray. Sucher sind kleine Fernrohre oder Visiereinrichtungen, um ein Teleskop in Richtung des zu beobachtenden Objekts ausrichten zu können. Die bei Teleskopen minimal möglichen Vergrößerungen sind so hoch, daß im Okular nur noch ein kleiner Himmelsbereich Platz hat, und dort wird sich das gewünschte Objekt nur selten auf Anhieb befinden. Der Sucher vergrößert wenig oder teilweise garnicht, dadurch kann man einen großen Himmelsbereich überdecken und hat somit das Himmelsobjekt sehr schnell erst im Gesichtsfeld und dann in der Mitte des Sucherbildes; dann wird man das Objekt auch im Blickfeld des Teleskops haben. Die Justierung geschieht übrigens umgekehrt zur Benutzung, man sucht also bei Tag erst ein fernes und möglichst markanntes Objekt mit dem Hauptrohr auf und stellt dann den Sucher so ein, daß er es in der Mitte zeigt. Hat der Halter für den Sucher nur hinten Einstellschrauben, ist er vorne zu wackelig. Das Problem läßt sich mit etwas Moosgummi im Halter und Tesafilm am Sucher lösen, wobei das Klebeband den Durchmesser anpaßt. Umkehrlinsen werden Teleskopen gelegentlich beigelegt, um sie auch für Erdbeobachtungen einsetzen zu können. Das Bild ist dann aufrecht, aber meistens schlecht. Für astronomische Beobachtungen sollte man sie nicht verwenden. Zenitprismen werden z.B. den Refraktoren beigelegt, da man sonst Objekte hoch am Himmel nur schwierig betrachten kann. Dieses Zubehör ist mal sinnvoll. Sonnenfilter zum Einschrauben ins Okular sind _gefährlich_ und sollten nicht mehr mitgeliefert werden. Wer die Sonne beobachten möchte, sollte entweder Objektivfilter verwenden, die man aus Spezialfolie auch selber basteln kann, oder die Sonne durch Okularprojektion auf einem weißen Schirm abbilden. Für diese Methode eigenen sich aber nur unverkittete Okulare der Bauarten Huygens, Mittenzwey oder Ramsden, zumindest bei Beobachtungsdauern oberhalb einiger Sekunden. Wenn Fassungen oder Linsen aus Kunststoff sind, nützt die unverkittete Bauart freilich nichts. Ferngläser, auch Feldstecher genannt, bestehen aus zwei miteinander verbundenen Fernrohren, die, um das Bild wieder in eine normale Orientierung zu bringen, Prismen- und (manchmal) Spiegelsysteme verwenden. Rote Taschenlampen sind nötig, wenn man Sternkarten betrachten oder die Brennweite eines Okulars ablesen möchte, da rotes Licht die Dunkelanpassung der Augen nicht stört. Warme Kleidung ist sehr wichtig, was oft nicht beachtet wird. Wer sich in einem beheizten Gebäude aufgehalten hat, kann sich nicht in drei Minuten so umziehen, daß er im Winter länger draußen beobachten kann. Viele der Teilnehmer am angesprochenen Beobachtungsabend haben das selber feststellen dürfen ... Viele Grüße, Frank Feger (frank@astro1.physik.uni-siegen.de)