Hi! Hier sind einige Hintergrundinformationen zum Thema "Netzwerke", insbe- sondere Internet. Ein Computer ist ein Computer, man hat nur einen Ort, wo Daten liegen. Manchmal moechte man von verschiedenen Stellen auf Wissen zugreifen, weshalb es schon lange moeglich ist, zwei Rechner mit einem Mo- dem oder Nullmodemkabel (taeuscht zwei Modems vor) zu verbinden. Mittels eines Terminalprogramms (dadurch wird der Computer zur schlichten Einga- bestation) und solcher Protokolle wie Kermit oder x-modem sind dann Texte und Programme uebertragbar. Leider ist die benoetigte serielle Schnittstelle relativ langsam und nur fuer jeweils eine Verbindung zu einem anderen Com- puter tauglich. Deshalb kam man irgendwann auf die Idee, die Geraete mit direkten Lei- tungen zu verbinden; zuerst innerhalb einzelner Gebaeude. Diese Netzwerke sind schneller, verwenden andere Protokolle und heissen LAN (local area network). Bekannt ist des Ethernet mit NE2000-kompatiblen Einsteckkarten fuer die am Netzwerk teilnehmenden Computer. Die Daten werden hier ueber Koaxial- (wie Antenne) oder Cat5-Kabel mit einer Datenrate von 10MBit/sec uebertragen. Da ein Byte 8 Bit umfasst und man noch einige mehr benoetigt, kann man von 1 Megabyte pro Sekunde ausgehen Nach 1,44 Sekunden waere also eine volle Diskette uebertragen. Neuer sind die nur ueber Cat5 einsetzbaren 100MBit/sec-Systeme. Spaeter kamen auch groessere Netzwerke zum Einsatz. In einem LAN gibt es Fileserver (Rechner, die Dateien wie z.B. Programme bereitstellen), Computeserver (rechnen nur), Druckerserver (rate mal) und Mailserver (speichern ankommende E-Mails). Schon frueh war klar, dass eine ueberregionale Vernetzung die Ressourcen besser benutzbar machen wuerde. Deshalb wurde das ARPANET/DARPANET ins Leben gerufen; hier wurden Rechner und vorhandene Netzwerke lan-desweit (=USA) verbunden. Die Universitaeten kamen hinzu, die Protokolle vereinfacht und standardisiert. Das entstandene Netzwerk von Netzwerken, welches TCP/IP als Protokoll einsetzt, heisst Internet (interconnected networks). Wird in einem Firmennetzwerk (LAN) auch diese Protokollfamilie eingesetzt, nennt man es Intranet, insbesondere bei Einsatz von Webbrowsern (dazu komme ich noch). Nun haben wir eine Reihe von Rechnern, die miteinander verbunden sind. Was kann man denn damit machen? Nun, zuerst das, was auch frueher ging: Computerfernsteuerung mit "telnet", Dateiuebertragung mittels "ftp" (file transfer protocol) und auch E-Mail. Schnell kamen auch noch "talk" (Unter- haltung durch simultanen Textaustausch), etwas langsamer News (viele Dis- kussionsforen, wie Pinwaende) und "irc" (Chat, wie Raeume mit sich unter- haltenden Leuten) dazu. Um auf Texte zugreifen zu koennen, wurde "gopher" eingesetzt. Dieses System/Protokoll ist wie der Explorer in Windows, also streng hierarchisch. Eine Uebersicht ueber Gopherserver (= Computer mit Seiten fuer Gopher) bietet VERONICA, genauso wie Archie die a-ftp-Server referiert. Gopher und VERONICA sind inzwischen allerdings als historisch zu bezeichnen, da es kaum noch Gopherserver gibt. Das "a" in"a-ftp" steht fuer "anonym", also jedem zugaenglich; offensichtlich stellen solcheServer Dateien, z.B. Programme, fuer die Allgemeinheit zur Verfuegung. Zugaenge, die nichtoeffentlich sind, werden inzwischen aus Sicherheitsgruenden fast ausschliesslich mit "ssh" statt "telnet" und "scp" bzw. "sftp" statt "ftp" realisiert, da diese neuen Programme die Daten verschluesselt uebertragen, besonders die sensiblen Passwoerter. Anfang der 90er Jahre entstand bei CERN in Genf die Idee, alle Dienste unter einer einheitlichen Oberflaeche zusammenzufassen und Texte wie ein Lexikon mit Querverweisen ueber das gesamte Internet aufzubauen. Die Ame- rikaner griffen die Idee auf und entwickelten sie weiter. Als Sprache und Textformat fuer diese Dokumente wurde die "hypertext markup language", abgekuerzt "html", eingefuehrt; das Protokoll heisst "hypertext transfer pro- tocol", woraus das "http:" vor Webseiten resultiert. Die dritte Komponen- te ist das Programm, welches die Formatieranweisungen und Querverweise versteht; da die HTML-Seiten und andere Informationen auf Servern (Com- puter, die Daten bereithalten; auch die dafuer noetigen Programme) lagern, gilt das Werkzeug fuer den Zugriff auf solche Infos als Client. Zusammen werden die drei Komponenten als "World Wide Web" bezeichnet, weshalb man bei Netscape Communicator, Internet Explorer und deren Verwandtschaft von Webclients oder Webbrowsern spricht. Wir haben nun ein Internet, ja sogar ein graphisches "World Wide Web". Die Rechner sind dauerhaft ueber Standleitungen verbunden. Fuer den Computer zu Hause gilt das aber nicht, er muss erst mit dem Netz verknuepft werden. Dies geht mittels Telefonleitungen. Urspruenglich wurden, wie zu Anfang erwaehnt, Terminalprogramme fuer diese Art der Kommunikation eingesetzt, spaeter auch UUCP (Unix to Unix Copy); fuer das Web musste ein Protokoll her, welches Rechner zu vollwertigen Teilnehmern des Internets machen konnte. Ein solches fand sich in SLIP, dem Serial Line Internet Protocol, moderner ist PPP (Point to Point Pro- tocol), welches inzwischen die uebliche Variante darstellt. Schauen wir uns mal an, was passiert, wenn man mit der Kombination Win- dows und Netscape eine Onlineverbindung anfordert: erst hebt das Modem ab und hoert, ob die Leitung besetzt ist (ist sie meist nicht). Dann waehlt das Ding die Nummer des Providers; kommt es durch, so handelt es mit dem Ein- wahlserver (Computer, der providerseitig die Verbindungsversuche annimmt) die Kommunikationsparameter aus, so z.B. die Zahl der Bits pro Sekunde. Dann ueberprueft der Server, ob der anrufende Compi ueberhaupt zugangsbe- rechtigt ist, indem Benutzerkennung und Passwort abgefragt werden. Wenn dies klappt, so startet der Rechner zuhause auf dem anderen System die PPP-Verbindung, welche man sich als "Wurmloch" zwischen den beiden Compu- tern vorstellen kann. Ein Teil des fernen Computers hat eine feste IP- Adresse, ein anderer hat eine zweite, die aber nun als Kennung fuer den neuen Teilnehmer, also den Computer des Kunden dient. Diese Adresse ist aber meist bei jeder Verbindung eine andere (= dynamische Adressvergabe), weshalb man sie nicht als feststehend einsetzen darf, dito die Domain- adresse. Hier ein konkretes Beispiel: bei einer PPP-Verbindung ueber die Uni-GH Siegen teilte die Maschine 141.99.173.200 meinem Computer die IP-Adresse 141.99.172.108 zu, diese entspricht der Domainadresse "isdnc108.hrz.uni- siegen.de". Um vom Rechner "astro1.physik.uni-siegen.de" eine ftp-Ver- bindung auf meine Linuxkiste zu bekommen, um Dateien uebertragen zu koen- nen, waere also ein "ftp isdnc108.hrz.uni-siegen.de" oder ein "ftp 141.99. 172.108" noetig gewesen. Einige Tage frueher hatte es statt der "108" die "190" sein muessen. Hier erkennt man auch den Aufbau: "141.99" entspricht dem "uni-siegen. de", die "172" bzw. "173" sind fuers "hrz", die letzte Nummer "108" gibt dort den Computer zuhause an, diesmal also "isdnc108". Steht die PPP-Verbindung, so sind die meisten oder alle Dienste nutz- bar, z.B. http (World Wide Web), smtp (Mailversand), pop3 (Mailempfang zum Offlinelesen), nntp (Usenet), ntp (Zeitabgleich), ftp (Dateiueber- tragung), talk (Dialog ueber Tastatur), telnet (Rechnerfernsteuerung) und das Unix-Graphikprotokoll X11, welches den dezentralen Einsatz von auf anderen Computern installierten Programmen mit graphischer Ausgabe auf den eigenen Rechner erlaubt - uebrigens auch auf Nicht-Unix-Rechner. Normalerweise bleibt die PPP-Verbindung auch nach dem Empfangen und Senden bestehen, was die Telefonkosten nicht gerade senkt. Deshalb muss die Verbindung dann manuell gekappt werden, falls sie noch offen sein sollte, was mittels "telnet" oder einem "ping $servername" recht leicht herauszufinden ist. Ist die PPP-Connection wieder weg, so kann man wieder telefonieren. Nun werden die Mails oder Newsgroups offline gelesen, sofern man dafuer entsprechende Programme oder locale Server verwendet. F^2